Ärzte wollen Gesundheitskarte in geplanter Form stoppen

Berlin (AP) Die Bundesärztekammer will die elektronische Gesundheitskarte in der bisher geplanten Form stoppen. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe präsentierte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt einen Forderungskatalog, der praktisch alle neuen Funktionen der Karte in Frage stellt. «Wir erwarten eine öffentliche und detaillierte Stellungnahme», erklärte Hoppe am Dienstag in Berlin.
Die Ausgabe der Gesundheitskarte mit Bild soll nach langwierigen Verzögerungen zum Jahresende beginnen. Dann funktioniert sie aber zunächst einmal nur wie die bisherige Versichertenkarte. Die Zusatzfunktionen wie elektronisches Rezept oder Patientenakte sollen später zugeschaltet werden.Quelle: Gematik
Die Ärzte wehren sich jedoch gegen die neuen Funktionen. In dem Katalog, der auf Beschlüsse des Ulmer Ärztetags zurückgeht, verlangen sie, die geplanten Online-Anbindung zum Datenaustausch zwischen Ärzten, Krankenhäusern, Apothekern und Krankenkassen nur freiwillig vorzusehen. Das bisher übliche Papierrezept solle als Alternative zum elektronischen Rezept beibehalten werden.
Als Alternative zur jetzt geplanten Speicherung von Daten auf zentralen Servern sollten «technik- und ergebnisoffene Tests» für «Speichermedien in der Hand des Patienten» anberaumt werden, also zum Beispiel USB-Sticks, heißt es in dem Papier weiter.
Die elektronische Gesundheitskarte sollte eigentlich schon 2006 ausgegeben werden. Alle 80 Millionen Menschen in Deutschland sollen sie bekommen. Technische Probleme haben das Projekt aber in Verzug gebracht. Nun sollen Ende des Jahres in der Region Nordrhein zunächst neue Lesegeräte an die 18.000 Arztpraxen und anschließend auch die Karten an die Patienten ausgegeben werden. Anschließend soll die Ausgabe in konzentrischen Kreisen um die Startregion in ganz Deutschland weiter gehen. Die Zusatzfunktionen werden derweil weiter getestet.
An diesem Zeitplan habe sich nichts geändert, sagte die Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Ruth Bahners, am Dienstag auf Anfrage. Die grundsätzlichen Vorbehalte der Bundesärztekammer gegen die neue Karte hätten mit dem Start der Einführung nichts zu tun, zumal es die umstrittenen Funktionen am Anfang noch nicht gebe. «Das sind zwei von einander getrennte Prozesse», sagte Bahners. Die von Anfang an geltenden Neuerung, dass die Karte ein Bild habe, begrüßten viele Ärzte, weil sie damit die Versicherten eindeutig identifizieren könnten.
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