Signaturen im eGovernment mit der Sparkasse Westmünsterland

Der Gang zum Amt wird für Behördenkunden künftig schnell erledigt sein: Computer starten, eine E-Mail schreiben, fertig. Das ist zwar schon seit Jahren möglich. Neu ist aber, dass E-Mails auch rechtsverbindlich verschickt werden können. Ab sofort ist dies zunächst im westlichen Münsterland beim Kreis Borken und der Gemeinde Südlohn machbar, die hierfür sogenannte „virtuelle Poststellen” eingerichtet haben.
Dr. Hermann Paßlick, Vorstandsmitglied der Kreisverwaltung, und Südlohns Hauptamtsleiter Josef Nubbenholt stellten jetzt im Borkener Kreishaus die neuen Möglichkeiten und die weiteren Pläne vor.Öffentliche Ausschreibungen, Bauwesen, Bankeinzugsermächtigungen, Fördermittelanträge und auch Widersprüche – die Anwendungen sind so vielseitig wie die Aufgabenbereiche der Kommunen selbst. „Künftig können zahlreiche Verwaltungsvorgänge abschließend per E-Mail erledigt werden”, betonte Dr. Paßlick bei der Präsentation. Auf diese Weise lasse sich der Service für die Kunden der Gemeinde- wie der Kreisverwaltung deutlich verbessern: Die Bürgerinnen und Bürger können diese beiden öffentlichen Dienstleister nunmehr ohne jede zeitliche und örtliche Beschränkung erreichen. Auf Grundlage der jetzt realisierten Technologie sollen zudem zukünftig weitere organisatorische Maßnahmen die Verfahrensabläufe im Interesse der Kunden vereinfachen und beschleunigen. Davon werde vor allem auch die heimische Wirtschaft profitieren, die auf diese Weise Standortvorteile erhalte, prognostizierte Dr. Paßlick.

Südlohns zuständiger Ressortleiter Josef Nubbenholt machte deutlich, dass die technische Neuerung aus dem Projektauftrag der Bürgermeister im Kreis Borken resultiere, Lösungsansätze für rechtsverbindlichen elektronischen E-Mail-Verkehr auszuloten. Fachleute aus den Rathäusern in Bocholt und Südlohn und aus dem Borkener Kreishaus nahmen sich dieser Aufgabe im Rahmen einer Marktsichtung an. In einem zweiten Schritt erstellte die Projektgruppe dann gemeinsam mit Vertretern des Kreises Steinfurt sowie des Kommunalen Rechenzentrums Niederrhein in Moers das praxisgerechte Konzept einer „virtuelle Poststelle”, an die die verschlüsselten und/oder signierten E-Mails jetzt geschickt werden können. Der rechtsverbindliche Datenaustausch wird durch die digitale Unterschrift ermöglicht, die auf Chipkarten gespeichert ist. Über ein Kartenlesegerät werden E-Mails und andere Informationen signiert, was einer eigenhändigen Unterschrift entspricht. Diese Daten können dann – ohne verändert, gelesen oder kopiert zu werden – über das Internet verschickt werden.

Die hierfür notwendige Technologie wird von der Sparkassen-Finanzgruppe bereitgestellt. „Dies ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie wir als Sparkasse einen Mehrwert für die Städte, Gemeinden, Bürger und Unternehmen schaffen”, erklärt Heinrich-Georg Krumme, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Westmünsterland. Dass die für das Sparkassen-Geschäft entwickelten Systeme auch von der „kommunalen Familie”, den Sparkassen-Trägern, genutzt werden können, veranschauliche die hohe Gemeinsamkeit der Interessen. „Wir schaffen hier neue Infrastruktur in der Region”, so Heinrich-Georg Krumme.

Die beteiligten Projektpartner Gemeinde Südlohn und Kreis Borken sehen den Start der „virtuellen Poststelle” gleichzeitig als Auftakt für weitere Neuerungen. Es gehe nun darum, Erfahrungen auf dem Gebiet der rechtsverbindlichen elektronischen Kommunikation zu sammeln. Je häufiger Kunden durch die elektronische Signatur Vorteile erzielen können, desto interessanter werde für sie ihre Nutzung. Daher wollen Gemeinde und Kreis ihre Aktivitäten insbesondere auf solche Verwaltungsprozesse konzentrieren, bei denen Mehrfachkontakte zu Kunden bestehen. Dazu zählen vor allem die Kontakte zur heimischen Wirtschaft. Durch den Einsatz eines Dokumentenmanagementsystems soll zukünftig überdies eine medienbruchfreien Vorgangsbearbeitung ermöglicht werden. Das heißt, die Daten können dann ohne manuelle Zwischenschritte durchgehend verarbeitet werden. Angewendet werden könnte die neue Technologie zum Beispiel bei der Abwicklung von Auftragsvergaben und beim anschließenden Rechnungseingang, bei der Genehmigung von Bauvorhaben und Schwerlasttransporten sowie bei Melderegister- und Katasterauskünften.

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