Gesundheitskarte behindert die Ärzte

Wird die elektronische Gesundheitskarte 2009 bundesweit eingeführt, rechnen Wolfsburger Ärzte mit dem Schlimmsten. “Das würde die gesamte ambulante Versorgung lähmen”, glaubt Ärztevereinsvorsitzender Norbert Scherer. Der Arzt aus Ehmen gehört zu den 14 Ärzten, die in Wolfsburg am Testlauf für einige Kartenfunktionen teilnehmen. Er sagt: “Wir trauen uns kaum, die neuen Karten einzulesen, weil der Rechner oft neu hochgefahren werden muss.” Scherers Team arbeitet bevorzugt mit den ganz normalen Versichertenkarten.

Lungenarzt Andreas Korsch ist das neue System schlichtweg zu langsam. “Die Karte bremst den Ablauf in der Anmeldung”, sagt er. Auch die elektronische Signatur, die der Arzt unter Rezepte setzen muss, verschlinge kostbare Zeit. Korsch fände es praktisch, wenn er in Zukunft von der Karte ablesen könnte, welche Medikamente ein Patient von anderen Ärzten erhalten hat. Trotzdem meint er: “Die elektronische Gesundheitskarte ist ein riesiges finanzielles Loch.”

Auch Kinderärzte-Sprecher Ralf Ott kritisiert: “IT-Firmen verdienen sich dumm und dämlich.” Er befürchtet, dass auf den Karten gespeicherte Daten vor Zugriffen Dritter nicht sicher sind. “Interesse daran werden unheimlich Viele haben”, sagt er in Anspielung auf Krankenkassen oder Pharmaunternehmen. Und Apothekerin Claudia Hagedorn findet nach knapp einem Jahr Testzeit: “Die Einführung der Karte macht Sinn, aber wir sind noch nicht so weit.”

Für Kai Burmeister gehen die Befürchtungen der Ärzte an der Sache vorbei. Der Geschäftsführer der Firma eHP Wolfsburg, die den Test der Karte koordiniert, sagt: “Die Karte wird 2009 definitv eingeführt, aber nicht in dem Umfang, der hier getestet wird.” Alle Versicherten erhielten die neuen Karten, auf denen zunächst aber nur die persönlichen Daten gespeichert würden.

Burmeister glaubt außerdem, dass Patientendaten auch künftig gut geschützt sind. Diese würden vielfach verschlüsselt und an verschiedenen Orten gespeichert, versichert er.

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