ValiPro macht Krankenversicherte „fit“ für Einführung der eGK
Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ab 2009 soll neben einer Verbesserung der medizinischen Versorgung auch vor möglichem Missbrauch schützen. Angesichts der rund 72 Millionen Versicherten, die mit dem neuen Ausweis versorgt werden, steht jedoch im Vorfeld die „Operation Datensicherheit” auf dem Plan. Da jede eGK ab dem 16. Lebensjahr mit einem Lichtbild des Inhabers ausgestattet wird, sind zunächst hohe logistische und sicherheitsrelevante Anforderungen an die Erstellung und Verarbeitung der Fotos und administrativen Daten zu erfüllen. Eine neue Lösung namens ValiPro und spezielle Software-Komponenten des IT-Dienstleisters Nicetec verleihen den elektronischen Gesundheitskarten die „passenden Gesichter”.
Dr. André Zilch, Geschäftsführer der ValiPic GmbH aus Eppstein, hat mit ValiPro ein Verfahren entwickelt, mit dem der riesige organisatorische Aufwand, alle Krankenversicherten ab dem 16. Lebensjahr mit einer identitätsgesicherten elektronischen Gesundheitskarte auszustatten, bewältigt werden kann. Denn auf dem üblichen Weg per Anschreiben durch die Kassen sei dies nicht zu gewährleisten. Der Versicherte selbst ist für die Beschaffung des Bildes zuständig, mit dem die Krankenkasse die eGK versieht. An die Fotografie sind strenge und klar definierte Vorgaben geknüpft, so dass man die Fotos nicht selbst machen kann. Rund 250.000 Bilder pro Tag müssten angefertigt werden. Das scheitert schon an fehlenden Kapazitäten bei professionellen Fotografen.
Herkömmliches Verfahren dauert deutlich länger
Bundesweit gibt es rund 3.500 ausgebildete Fotografen. „Wenn diese pro Tag sechs Stunden damit beschäftigt wären, die Bilder aufzunehmen und zu verarbeiten, beliefe sich der Gesamtaufwand bei einem durchschnittlichen Takt von 10 bis 15 Minuten pro Kunden auf vier Jahre bis zur Fertigstellung”, rechnet Dr. Zilch vor. Erklärtes Ziel des Bundesministeriums für Gesundheit sei es allerdings, die Einführung der eGK innerhalb eines Jahres abzuschließen. Schon deshalb wurde ein neues Konzept notwendig.
Mindestens ebenso schwer wiege dabei das Sicherheitsproblem: „Nach dem Fotografieren muss das Lichtbild noch an die Krankenkasse auf eine Art und Weise übermittelt werden, die sicherstellt, dass das Gesicht auf dem Foto mit den Angaben auf der eGK übereinstimmt. Nur so sei garantiert, dass ein behandelnder Arzt schnell und unkompliziert überprüfen kann, ob und wo sein Patient tatsächlich krankenversichert ist”, so Dr. Zilch weiter.
Beim bisher üblichen „Papierverfahren”, in dem ein Bild per Post an die Krankenkasse verschickt wird, sind Missbräuche und Verwechslungen ohne weiteres möglich und sehr wahrscheinlich. Deshalb setzt ValiPro auf ein elektronisches Verfahren, mit dem der organisatorische Aufwand drastisch minimiert, dafür aber sicher gehandhabt wird. Die Einsparung an Zeit ist bei diesem Konzept enorm: Lediglich anderthalb bis zwei Minuten dauert hier der komplette Vorgang mit Erstellung des Fotos, Signierung und Übermittlung. Dafür sorgt eine ausgeklügelte Feinabstimmung von drei ValiPro-Hauptbestandteilen, die hier ineinander greifen.
Manipulation der Daten ausgeschlossen
Das ValiPro-System besteht zum einen aus mehreren Hardware-Komponenten: Laptop, Monitor, Kamera, Chipkarten-Lesegerät und Unterschriften-Pad. Hinzu kommt eine von Nicetec entwickelte Software-Lösung, die die gesetzlich geforderte Lichtbilderfassung bietet und mit den persönlichen Daten des Karteninhabers und einer qualifizierten elektronischen Signatur unter mehrfacher Verschlüsselung zusammenführt.
Die dritte Säule des Konzepts bilden die so genannten Registrierungs-Officer. Hierfür werden flächendeckend in Deutschland Fotostudios, Optiker und andere geeignete Dienstleister eingebunden. Ihre Aufgabe ist es, die Identität des Kunden anhand eines Ausweisdokumentes zu überprüfen, das Bild anzufertigen und den kompletten Datensatz verschlüsselt an den ValiPro Zentral-Server zu übermitteln. Von dort erfolgt die Weiterleitung an die jeweilige Krankenkasse im Auftrag des Versicherten.
Mit hartkryptographischen Codierungen sind Manipulationen an den Daten ausgeschlossen. Die Daten werden nach der Übermittlung an den Zentralserver sofort auf dem lokalen Rechner gelöscht. Die ersten Registrierungsstellen starten im Dezember bereits mit dem zum Patent angemeldeten System ValiPro. Die Initiatoren werden ab 2009 gezielt die Versicherten ansprechen, um sie über ValiPro zu informieren, das für sie deutlich günstiger ist als das übliche professionelle Fotoshooting mit anschließendem Papierversand. Durch ValiPro seien Kosteneinsparungen von bis zu 300 Mio. EURO für den Gesamtprozess der Lichtbildbeschaffung möglich.
Weitere Einsatzfelder für ValiPro
Doch das ValiPro-System bietet zusätzliche Potenziale. Denn die Methodik sowie Hard- und Software wurden nicht ausschließlich für die Einführung der eGK konzipiert. „Die Technologie lässt sich ebenso für weitere Aufgaben anwenden, die bereits absehbar sind”, erklärt Ralf Meyer, Geschäftsführer von Nicetec: „Künftige Einsatzmöglichkeiten bestehen zum Beispiel bei dem Heilberufe-Ausweis oder der Jobcard für alle Arbeitnehmer. Es kommt auf die Registrierungs-Officer also noch einiges an möglichen Aufgaben zu.”
Damit ist ValiPro kein rein visionäres, sondern ein sehr praxisorientiertes Konzept. Beim „Hessischen Innovationspreis 2008″ des hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung hat ValiPro unter 145 Bewerbern den 4. Platz belegt.










